Bewegung, die verbindet
Oberbayern lebt von Natur, Kultur und Bewegung. Und davon, dass all das erreichbar bleibt. Mobilität entscheidet darüber, wie Gäste ankommen, wie Einheimische ihren Alltag gestalten und wie intensiv Natur- und Lebensräume frequentiert werden. Nachhaltige Mobilität ist deshalb weit mehr als von A nach B zu kommen: Sie ist ein Schlüssel für Tourismusqualität, regionale Wertschöpfung und wirksame Besucherlenkung. Und sie ist verbindendes Element – zwischen Stadt und Land, zwischen Alltag und Auszeit, zwischen Erlebnis und Verantwortung.
ÖPNV und mehr
Der öffentliche Personennahverkehr gewinnt immer mehr an Bedeutung: Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) beispielsweise befördert jährlich über 730 Millionen Fahrgäste. Gleichzeitig wächst der Verbundraum stetig. Seit dem 1.1.2026 umfasst das MVV-Gebiet rund 13.600 km² und etwa 450.000 weitere Einwohner profitieren von den Vorzügen des Verbundes. In den Landkreisen Oberbayerns sind allein rund 850 MVV-Regionalbusse unterwegs.
Die Stärke nachhaltiger Mobilität zeigt sich besonders dort, wo es in Spitzenzeiten viele Erholungssuchende hinzieht: an Seen, in die Berge und an touristisch bekannte Ausflugsziele. Hier übernimmt der ÖPNV eine zentrale Lenkungs- und Verlagerungsfunktion. Durch Taktung, Linienführung und Kapazitätssteuerung können Ziele kontrolliert erschlossen, individueller Pkw-Verkehr an typischen Ausflugs-Wochenenden reduziert, kanalisiert und verlagert werden.
Wo der klassische Nahverkehr Lücken hat, ergänzen spezielle Angebote: Der Münchner BergBus fährt in den Sommermonaten an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen auf zwei Linien jeweils zweimal von München zu Ausflugs- und Wanderzielen, die sonst nur schwer erreichbar sind: Linie 996 zur Wieskirche (Landkreis Weilheim-Schongau) und Linie 396 Richtung Bayrischzell, Leitzachtal/Ursprungpass (Landkreis Miesbach). Hinzu kommen spezielle X-Bus-Linien, die sich speziell an Tagesausflügler richten und stark nachgefragte Tourismusziele miteinander verbinden. Dazu gehört auch der neue Alpenbus, der als Querverbindung ab 2026 zwischen Murnau und Rosenheim verläuft.
Und es entwickeln sich weitere Lösungen: Die DAV-Mitfahrbankerl ermöglichen kostenfrei die Überbrückung zwischen Berg und Bahnhof – besonders dann, wenn Busverbindungen lückenhaft, zeitlich unflexibel oder zu Stoßzeiten überlastet sind. Ziel ist es, die durchschnittliche Pkw-Auslastung von derzeit rund 1,2 Personen pro Fahrzeug zu erhöhen und Stau- sowie Parkplatzdruck in sensiblen Regionen zu reduzieren.
Bergbahnen: Verbindung von Erlebnis und Wertschöpfung
Oberbayern verfügt über zahlreiche Bergbahnen, darunter die Bayerische Zugspitzbahn mit über 500.000 Fahrgästen jährlich, die Wendelsteinzahnradbahn mit rund 200.000 Fahrgästen pro Jahr sowie die Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall, seit 1928 in Betrieb. Sie ermöglichen vielseitige und oft barrierarme Bergerlebnisse – und sie wirken weit in die Region hinein. Ein Arbeitsplatz bei der Seilbahn schafft und sichert 5,1 Arbeitsplätze in der Region. Der Wertschöpfungsfaktor deutscher Seilbahnen liegt bei 5,3: Jeder investierte Euro erzeugt insgesamt 5,30 Euro Wertschöpfung entlang der regionalen und überregionalen Wertschöpfungskette. Im 5-Jahres-Schnitt liegen die Netto-Verkehrseinnahmen bei 72,4 Mio. Euro im Sommer und 99,1 Mio. Euro im Winter; die Gästezahlen bei 5,7 Mio. im Sommer und 5,2 Mio. im Winter.
Auch die Brauneck Bergbahn steht für ganzjährige Nutzbarkeit und setzt auf ein nachhaltiges Konzept, u. a. mit Abwärmenutzung und dem Einsatz von HVO-Kraftstoff. Hier trifft Naturgenuss auf Naturschutz, Standort-Attraktivität auf regionale Wertschöpfung.
Echte Originale:
Antonia Asenstorfer, Geschäftsführerin Brauneck- und Wallbergbahnen GmbH
Schifffahrt: Mobilität zu Wasser
Auch auf den Seen ist Mobilität Teil der touristischen Grundversorgung:
Die Chiemsee-Schifffahrt verbindet mit 14 Schiffen zentrale Uferorte wie Prien, Gstadt, Seebruck und Chieming mit Herreninsel und Fraueninsel; jährlich nutzen fast 1 Million Fahrgäste dieses Angebot.
Die Bayerische Seenschifffahrt beförderte 2024 mit 32 Schiffen mehr als 1,4 Millionen Passagiere auf Starnberger See, Ammersee, Tegernsee und Königssee.
“Unsere schönen bayerischen Seen sind beliebte Ausflugsziele für unsere Gäste aus Nah und Fern – und die Bayerische Seenschifffahrt ein wichtiger touristischer und wirtschaftlicher Faktor für unsere Region! Darauf ruhen wir uns allerdings nicht aus: Wir setzen uns kontinuierlich dafür ein, die bayerische Pionierstellung in Sachen E-Mobilität auf Binnengewässern aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen.”
Finanz- und Heimatminister Albert Füracker bei der Saisoneröffnung der Bayerischen Seenschifffahrt 2025.
Radverkehr: Infrastruktur, die Reichweite schafft
Der Radverkehr ist ein zentraler Baustein der bayerischen Verkehrspolitik. Der Freistaat Bayern investiert jährlich rund 40 Millionen Euro in den Radwegebau an Bundes- und Staatsstraßen und unterstützt zusätzlich kommunale Maßnahmen. Ein zentrales Instrument ist das Bayernnetz für Radler mit rund 9.000 Kilometern.
Für Oberbayern stehen die Wasser-Radlwege Oberbayern exemplarisch für die räumliche Dimension des Angebots: über 1.200 km, thematische Vielfalt und die Verbindung urbaner Zentren wie München mit ländlichen Regionen.
Produkte, die den Umstieg erleichtern
Damit nachhaltige Mobilität im Alltag und im Urlaub funktioniert, braucht es Angebote, die einfach nutzbar sind. Dazu gehören das Bayern-Ticket für bis zu fünf Personen, die München CityTourCard für das MVV-Gebiet sowie digitale Lösungen wie MVVswipe, das Fahrten per App erfasst und zum günstigsten verfügbaren Tarif abrechnet.
Für die Freizeitmobilität im Winter setzt der MVV-Skipass auf die Bündelung von ÖPNV-Anreise und Skiprodukt. Das Angebot ermöglicht die staufreie Hin- und Rückfahrt zu Skigebieten wie Brauneck, Spitzingsee, Sudelfeld, Garmisch Classic und Garmisch-Zugspitze.
Ergänzend ermöglichen Apps wie MVGO die Kombination von ÖPNV mit Sharing-Angeboten; Gästekarten wie die Königscard verknüpfen Mobilität und Freizeitangebote.
Klimawirkung: Zahlen, die den Hebel zeigen
Die Klimawirkung nachhaltiger Mobilität ist messbar. Busse verursachen rund 93 g CO₂/Personenkilometer, Pkw durchschnittlich 166 g. Der ÖPNV in Bayern spart so jährlich rund 15 Millionen Tonnen CO₂.
Im Wintersport wird der Hebel besonders deutlich: Nur rund 2 Prozent des CO₂-Fußabdrucks eines Urlaubers entfallen auf Aktivitäten im Skigebiet; 78 Prozent entfallen auf die Anreise, 20 Prozent auf die Unterkunft. Gleichzeitig beziehen deutsche Seilbahnen bereits im Winter 2021/22 74 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Energien. Der Gesamtenergiebedarf für Betrieb und technische Beschneiung lag bei 42,5 GWh, der durchschnittliche Energieverbrauch pro Skier Day bei 16 kWh.
Auch die Flächenperspektive gehört zum Gesamtbild: Von 4.400 km² Gesamtalpenfläche in Bayern werden 0,8 Prozent zeitweise als Piste genutzt; hiervon werden lediglich 25 Prozent beschneit.
Relevanz für Oberbayern
Erreichbar, lebenswert, zukunftsfähig
Nachhaltige Mobilität ist eine zentrale Grundlage für touristische und gesellschaftliche Infrastruktur in Oberbayern. Sie sichert Erreichbarkeit, steuert Besucherströme und stärkt Lebensqualität sowie regionale Wertschöpfung. ÖPNV, Bergbahnen, Schifffahrt und Radverkehr entlasten sensible Räume und halten die Destination leistungsfähig – für Gäste wie für die Menschen vor Ort.
Besucherlenkung trifft Inspiration
Die Kampagne „GeHEIMATorte“ zeigt beispielhaft, wie nachhaltige Besucherlenkung in Oberbayern gelingen kann. Seit dem Start im Sommer 2021 lenkt sie den Blick gezielt auf weniger bekannte Ausflugsziele, die gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Durch die konsequente Verknüpfung von touristischer Inspiration und umweltfreundlicher Anreise trägt die Initiative dazu bei, den Individualverkehr zu reduzieren und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität in der Region zu erhöhen. Der enge Schulterschluss von Tourismus Oberbayern München e. V., München Tourismus, dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft macht „GeHEIMATorte“ zu einem Best-Practice-Beispiel für kooperative, zukunftsorientierte Destinationsentwicklung.
Herausforderungen
Trotz der starken Ausgangslage bleibt der Handlungsdruck hoch. Beliebte Ausflugsziele stehen unter Verkehrs- und Nutzungsdruck; die Anreise ist der größte Hebel für CO₂-Reduktion, insbesondere im ländlichen Raum und in Randzeiten. Parallel erfordern klimafreundliche Antriebe, barrierearme Angebote sowie verlässliche Kapazitäten und nutzerfreundliche Systeme langfristige Investitionen, Planungssicherheit und Abstimmung.
Mobilität als gemeinsame Zukunftsaufgabe
Nachhaltige Mobilität ist ein Schlüssel für einen zukunftsfähigen Tourismus in Oberbayern. Sie ermöglicht klimafreundliche Anreisen, entlastet Natur- und Lebensräume, stärkt die regionale Wirtschaft und erhöht die Aufenthaltsqualität für Gäste wie Einheimische. Gleichzeitig ist sie ein wirkungsvolles Instrument der Besucherlenkung und ein wesentlicher Hebel zur Erreichung von Klima- und Nachhaltigkeitszielen.
Damit Mobilität diese Rolle langfristig erfüllen kann, braucht es kontinuierliche Investitionen, klare politische Rahmenbedingungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Verkehrsunternehmen, Tourismusorganisationen, Kommunen und Landesinstitutionen. Initiativen wie integrierte Mobilitätsangebote, kombinierte Freizeitprodukte oder Kampagnen zur nachhaltigen Besucherlenkung zeigen, wie Kooperation konkret wirken kann.
Nur durch gemeinsames Handeln und Wertschätzung lässt sich eine Mobilität weiterentwickeln, die Oberbayern als lebenswerte, erreichbare und verantwortungsvoll gestaltete Destination für kommende Generationen sichert.
Noch mehr spannende Details finden Sie im „Faktenkompass Mobilität“ zum Download: